Verband kirchlicher Mitarbeitender
der Evangelischen Kirchen
Mitteldeutschlands e.V.

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Newsletter  Juli 2017

 

„In der Dankbarkeit gewinne ich das rechte Verhältnis zu meiner Vergangenheit. In ihr wird das Vergangene fruchtbar für die Gegenwart“

                                                                                  Dietrich Bonhoeffer, DBW Band 16, Seite 492

Liebe Mitglieder, Förderer und Interessierte unseres VKM, mit den einleitenden Worten Dietrich Bonhoeffers möchten wir gemeinsam abwägen, ob wir weiterhin kostbare Lebenszeit mit ergebnislosen Streitdebatten füllen möchten, oder ob wir nicht lieber das Gute im Leben fokussieren und in die Zukunft tragen sollten.

Wer begann eigentlich damit, den Sonderweg der Kirchen in der Arbeitsrechtssetzung zu kritisieren? Waren es unzufriedene Mitarbeiter oder eine Gewerkschaft auf Mitgliedersuche?   Sollten wir nicht sogar zukünftig unsere Bemühungen dahingehend intensivieren, dass Kirche und ihre Handlungsfelder in der Versorgung von Menschen, welche Unterstützung in einzelnen Lebensbereichen benötigen auch weiterhin möglichst unbeeinflusst vom Staat bleiben? Zeigen uns nicht gerade die Entwicklungen in einigen europäischen Ländern, wie schnell soziale Arbeit und Dienst am Menschen durch wechselnde politische Verhältnisse an Bedeutung für die Allgemeinheit verlieren können? Ist es da nicht gut, auf ein knapp 2000 Jahre lang gewachsenes Regelwerk zurückgreifen zu können, nach welchem wir gemeinsam Handeln und von einzelnen Akteuren der Weltgeschichte unbeeinflusst, unsere Berufung des „Dienst am Menschen“ mit unserem täglichem Handeln umsetzen dürfen.

Eine Finanzierung unsere heutigen Handlungsfelder in der Diakonie durch den Staat gibt es erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. Die Pioniere der organisierten Diakonie in der ersten Hälfte des 19. Jh. haben ihre Dienste noch durch Spenden, Kollekten, Vermächtnisse und Schenkungen finanziert. Diese Finanzierung gab es nicht „trotz“, sondern eben „weil“ wir klarer Bestandteil der Kirche sind und zunächst einmal als Christen, in unserem Handeln dem eigenem Glauben verpflichtet und daher ein Stück weit unabhängig von weltlicher und auch wirtschaftlicher Beeinflussung sind.  Sämtliche momentan vorhandenen Strukturen und Teilbereiche unserer Diakonischen Einrichtungen sind in über 150 Jahren auf dem Fundament der kirchlichen Selbstbestimmung aufgebaut. Die Auswirkungen bei Wegfall einer fundamentalen Eigenschaft auf eine Organisation kann wohl niemand vorhersagen, aber es ist nicht zu erwarten, dass auch nur ein einziger Stein auf dem Anderen bleibt. Wer jetzt sagt, dass es ja in der aktuellen Debatte „nur“ um die Art und Weise geht, wie das  Regelwerk für unsere Arbeitsbedingungen zustande kommt, dem kann ich entgegen halten, dass unsere, unter dem großen Dach der Diakonie angebotenen Dienste, durchweg auf Grundlage allgemeingültiger Gesetzte ausgeübt und finanziert werden. Die Arbeitsumfeldgestaltung ist gewissermaßen der einzige Bereich in der Diakonie, welcher uns noch an die Kirche und an das  „Handeln aus Berufung“ bindet. Diese Bindung muss man wollen, oder auch nicht und wenn man diese Entscheidung für sich selbst getroffen hat, sollte man auch erst entscheiden ob man den Dritten Weg als Bekenntnis zur Dienstgemeinschaft für gescheitert erklärt, oder einfach an den Punkten, welche bisher positiv verlaufen sind anknüpft und konstruktiv weiter arbeitet. 

Wenn wir heute mit gutem Grund, die unbefriedigenden Ergebnisse aus den Arbeitsrechtskommissionen Deutschland und Mitteldeutschland kritisieren, welche in Schlichtungen, teilweise ohne Arbeitnehmervertreter zustande gekommen sind, sollten wir, bevor wir die Dienstgeber als einseitige Entscheider an den Pranger stellen, zunächst einmal nachfragen, wo denn die Interessenvertreter von uns Dienstnehmern zum Zeitpunkt der Verhandlungen waren.

Woher nehmen sich unsere gewählten Dienstnehmervertreter das Recht auf Entgelterhöhungen und AVR-Anpassungen zu verzichten, welche wir in den nächsten 5 Jahren, selbst bei für uns Dienstnehmer hervorragend laufenden Verhandlungen in der ARK, nicht kompensieren können? Wann wird der Schlichtungsbeschluss der ARK DD vom 12. September 2016 in der ARK-EKM verhandelt und die theoretisch seit 01. 04.2017 rechtlich möglichen Beihilfen durch den Dienstgeber nach § 26 der AVR DD auch in Mitteldeutschland gezahlt.  Hier gehen uns als Dienstnehmer derzeit z.Bsp. 256,-€ als Beihilfe bei Geburt eines Kindes, ebenso verloren wie der jährliche Zuschuss in Höhe von 30% des Eigenkostenanteils bei Zahnersatz (max. Auszahlung 511,-€/ Jahr). Das sind zwar alles Summen, welche man dem Erreichen höherer Ziele ebenso opfern kann wie 3,5 % Entgelterhöhung pro Jahr, aber wir sollten uns dann schon Fragen, wessen Ziele das denn nun bitte sind? …und vor allem warum ich jetzt auch noch 1 % meines Lohnes an eine Gewerkschaft zahlen soll, dass Selbige dann endlich das tut, wofür meine gewählten Dienstnehmervertreter bereits freigestellt sind… nämlich endlich wieder in der ARK verhandeln und meine Interessen vertreten.  Ich weiß auch nicht ob alle Dienstnehmer wissen, dass Freistellungen für MAV, GAMAV und Mitarbeit in der ARK aus dem großen Einnahmen-Topf unserer Diakonischen Einrichtungen finanziert werden und daher selbiges Geld nicht an die übrigen Mitarbeiter als Lohn ausgezahlt werden kann. Dieser Umstand ist richtig und gut, denn schließlich brauchen wir eine sicher refinanzierte Struktur von Mitarbeitervertretern um unsere Interessen gut vertreten zu wissen und auch die Umsetzung gleicher Umfeldbedingungen in allen Einrichtungen zu gewährleisten. Ich bin es aber leid, mit meinem Lohnverzicht eine unproduktive Blockadetruppe zu finanzieren um obendrein keine wesentliche Lohnerhöhung zu bekommen und dann noch aufgefordert werde 1% meines Lohnes als Gewerkschaftsbeitrag zu bezahlen, damit sich an meiner unbefriedigenden Lage endlich was ändert.  Wenn sie es auch leid sind, dann füllen sie unseren Aufnahmeantrag aus und helfen sie uns, den gewählten Dienstnehmervertretern zu zeigen, dass wir gerne Kirche sind und es keine Frage von eigenem Ermessen ist, die Mitarbeit in der Arbeitsrechtlichen Kommission zu verweigern. Es besteht die moralische Pflicht gegenüber 30 000 Mitarbeitern im Bereich der evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, deren Arbeitsumfeld aktiv zu gestalten.

 

Erfurt, den 24.07.17 Robert Brandt

Faire und gleiche Arbeitsbedingungen in allen Diakonischen
Einrichtungen in der Diakonie Mitteldeutschland
durch Arbeitsrechtsetzung im Dritten Weg

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